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der so hoch gestiegen, daß ein gänzlicher Unglaube anweibliche Tugend zum guten Ton in den Zirkeln der jun-gen Herren gehört. Diese Unart entspringt, beiläufig ge-sagt, blos aus der armseligen Eitelkeit, daß sich derglei-chen in sich selbst vergaffte Fäntchen für unwiderstehlicheEroberer in dem Felde der Liebe halten. Kurz, sie hohn-lächeln in ihren Bart, oder, falls sic damit noch nicht ver-sehen sind, über ihr glattes Kinn, wen» irgend ein Bie-dermann edler und bester vom weiblichen Gcschlechtc spricht.Die Worte: „Tugcnv und Schauspielerin" können sic sichvollends gar nicht in Verbindung denken. Sic glauben— was freilich auch mancher nicht so ganz schlecht Den-kende aus uraltem Vorurthcil glaubt — daß jede Actricedem ersten, dem besten Liebcsantrag ohne viele UmständeGehör gebe. Unter dieser Voraussetzung rücken denn dieWichtlcin, mit dem Panzer der Unverschämtheit gerüstet,keck ins Feld, sobald ein junges Frauenzimmer vom Thea-ter das Unglück hat, ihnen zu gefallen. Nun mögen zwar,zur Schande der Bühne, manche dieser Damen dergleichenplumpe Angriffe nicht beleidigend finden, sondern sich, ohneeinigen Widerstand, besiegen lassen; doch gibt cs auch vieleSchauspielerinnen von feinerer Denkungsart, die ei» sol-ches Betragen kränkt und empört, und die den Mann —wär' er auch an Schönheit ein Apoll — tief verabscheuen,der sich ihnen so frech und zudringlich wie einer erklär-ten Buhlerin nähert. Welche Erniedrigung für ein zart-fühlendes Herz! Kann man ein Weib, das noch nicht indem tiefstem Sumpfe der Schamlosigkeit unwiderbringlichversunken ist, grausamer beschimpfen, als wenn man esden verworfenen Geschöpfen gleich achtet, die mit ihremKörper einen öffentlichen Handel treiben? — Za, bei Gott!wenn der Schauspiclerstand auch übrigens ein paradiest-