daß unter den Sängern des Hains Philomelcn der erstePlatz, und Euch der letzte gebühre." —
Der Guckguck flog schimpfend hinweg, und übergab ei-nige Stunden darauf bei dem Könige folgende Bittschrift:
„Die Natur befahl der Lerche, der Nachtigall und mir,den Frühling durch unsere Gesänge zu verschönern. DerLerche wies sie das Feld und mir den Wald an, um unsbeim Tage da hören zu lassen; aber die Nachtigall solltebei Nacht singen. Diese Bestimmung zeigt schon ihr Name,der aus Nacht und dem alten Worte Galt (welches so-viel als Schall bedeutet) zusammengesetzt ist. Auch inverschiedenen andern Sprachen stammt ihr Name daher.Allein sie begnügt sich nicht, ihre Stimme zur Nachtzeitgallen zu lassen, sondern sie kreischt auch bei Tage, undstört mich dadurch in meinem Gesänge. Ew. Hoheit wolledcßhalb geruhen, ihr diese Pfuscherei in mein Amt beinamhafter Strafe zu untersagen."
„Da ich außerdem mit Verdruß habe erfahren müssen,daß mein Name unter den Menschen zum Spott gewordenist, so verbinde ich mit jener unterthänigsten Bitte nochdie: mir den Titel Oberlenzsänger in Gnaden zuertheilen, und mir darüber gegen die Gebühr ein Patentausfertigen zu lassen." —
Meister Guckguck versprach sich von diesem Memorialcden besten Erfolg. Er glaubte, wenn die Nachtigall schwei-gen müßte „ mehr Beifall und Zuhörer zu haben. DiesesPlänchen war einem solchen Stümper ganz angemessen,und würde wohl, wenn es sich in der literarischen Weltausführen ließe, viele Nachahmer finden. Allein KönigGikgak war doch nicht Gans genug, dem Anträge desNeidharts sogleich blindlings zu willfahren. Er ließ, weiler überhaupt keine Neuerungen liebte, in dem Archive