len? — Sagt mir, was hat er verbrochen? Ober sagtmir vielmehr, wessen ihn seine Neider und Feinde bczüch-tigen!"
Er taugt nicht zu Geschäften; antwortete das Echo desStatthalters: denn er ist ein Dichter, ein schöner Geist.
Der Kanzler brach in ein Helles Gelächter aus. „MeinSchwager ein Dichter? — Davon hör' ich das ersteWort! Er hat meines Wissens außer den Paar Versen,wozu er neulich durch Eure großen Thatcn begeistert ward,in seinem Leben keine Zeile gedichtet. Dieß beweisen jeneReime fast durch sich selbst; denn sie schmecken sehr nachdem Anfänger. Wenn man aber den Ehrennamen einesDichters durch eine solche Armseligkeit erlangen kann, soist er, wahrlich! heut zu Tage spottwohlfeil. — O, wäredoch Schalkwitz ein wahrer, großer Dichter! Er würdedadurch keinen Tadel verdienen, sondern im Gcgentheilsein ausgezeichnetes Genie unläugbar beweisen."
Das wäre nnr desto schlimmer! fiel Simpel hartnäckigein: Er taugte dann um so weniger zu Geschäften; denndie Dichter sind durch die angenehmen Spielwerke ihrerEinbildungskraft so verzärtelt und verwöhnt, daß sie ge-gen andere Arbeiten einen unüberwindlichen Ekel empfinden.
„Ew. Hoheit setzt mich in Erstaunen! Welcher alte, vonVorurtheilcn umnebelte Pedant redet aus Euch? Er hatEuch, er sep wer er wolle, durch schiefe Trugschlüsse hin-tergangen."
Ihr schwatzt sehr keck! rief der aufgebrachte König:Wollt Ihr etwa klüger scpn, als die Menschen?
„Hm! hm!" versetzte Reineke lächelnd: „Ich würde michallerdings bedenken, mit der Hälfte der Adamskinder Kopfum Kopf zu tauschen."
Ho! ho! Viel Dünkel und Ucbermuth!