Christophs Feldzug.
In einer Mittelstadt des preußischen Staates ward, wiein der ganzen Monarchie, der im Jahre 1813 erschallendeAusruf zum Kriege gegen Napoleon mit Jubel empfan-gen. Alle Jünglinge, die sich zum Feldzüge tüchtig fühl-ten, eilten zu den nächsten Fahnen, um freiwillig, zu Fußoder zu Pferde, zu kämpfe». Aeltcrn und Bräute jammer-ten : doch einstimmig ehrten sie den Muth der Braven,die für des bedrängten Vaterlands Freiheit ihr Leben wa-gen wollten.
Nur im Hause des reichen Bierbrauers Malz war mananders gesinnt. Christoph, der erstgeborene Sohn, einderber Bursch von zwanzig Jahren, den die ganze Stadtwegen seiner Wohlbeleibthcit den dicke» T vffel nannte,hatte nicht die geringste Lust, von den mütterlichen Fleisch-töpfen zu scheiden und sich bleierne Pillen in den Leibjagen zu lassen. Seine werthcn, ebenfalls standesmäßigbreiten Aeltern billigten diese Abneigung vollkommen. „Ichhasse die Franzosen;" krächzte mit fetter Stimme der Va-ter: „Es sind Weinschläuchc, verschmähen den edlen Ger-stensaft, und brächten's wohl endlich dahin, daß kein ehr-