-»D 341
Ihr Gespräch mit den beiden Wittwcn ging nun wie-der lustig fort.
Der wirklichen Gräfin Allwing bekam aber die Land-ruft nicht; sie ward unwohl, ließ bald nach der Tafel an-fpannen, stieg unbemerkt vor ihrem Hause ab, und trat,da ihre Dienerinnen ausspaziert waren, unaufgehalten insKaffcczimmer. Mit Entsetzen erblickte sie ihr Abbild undtaumelte zurück. Auguste sprang auf und floh in einanstoßendes Gemach. Die beiden Damen, die bei HellemTage ein Gespenst zu sehen glaubten, stießen vor Schre-cken den Kaffeetisch um und stürzten ihr nach. Auch dieFräulein wußten nichts Keffers zu thun, als so schnell alsmöglich den Ausreißern zu folgen.
Dieses Getümmel hörte die Kammerfrau und sprangherbei. Die Gräfin, auf einen Stuhl gesunken, winktemit der Hand nach dem Zimmer, das die Entflohenen ver-barg. Die Kammerfrau eilte hinein, erkannte sogleich diemuthwilligc Auguste, warf ihr, der sie ohuedieß nichtgewogen war, zürnende Worte zu, und die beiden altenFrauen ermangelten ebenfalls nicht, sich über die ihnenwiderfahrene Verhöhnung sehr mißfällig zu äußern.
Das Ende vom Liede war, daß die beleidigte Gräfindes folgenden Tages die Frevlerin, trotz Reue und Leid,ans dem Hause wies, und ihr Testament, in welchem siedie Undankbare zur Haupterbin ihres ansehnlichen Vermö-gens ernannt hatte, znrücknahm. Die Verlassene mußtesich nun mit Stickerei und ähnlichen Arbeiten kümmerlichnähren; denn niemand nahm sich ihrer an, da sie dieWohlthatcn der Gräfin übel vergolten hatte.