Sie ward zu Bette gebracht, ein Arzt gerufen und Karlgeweckt. Er bequemtc sich ungern zum Ausstichen, unge-achtet man ihm sagte, daß seine Mutter in Todesgefahrs-N- -
Sic fuhr bei seinem Eintritt zusammen, wandte dasGesicht von ihm ab, hob die Hände krampfhaft gen Him-mel und verschied.
Die anwesenden Dienerinnen warfen sich am Bette nie-der und erhoben ein Jammergeschrei. Aber Karl sagteganz ruhig: „Was gibt's den» ? Ist sie todt? wirklichtodt? — Was ist ihr so schnell widerfahren?"
Man antwortete ihm: sic scv in voriger Nacht bestoh-len worden und darüber tödtlich erschrocken.
Er gab sich den Schein der höchsten Befrcmdung, ranntenach der Kammer, wo er die geheime Unthat verübt hatte,und tobte dort fürchterlich über den Räuber. Hastig liefer dann fort und meldete den Vorfall, um allen Verdachtvon sich abzuwcndcn, der Polizei und dem Kriminalgerichtc.Es erfolgten Verhöre; die Stuben und Behältnisse derDienstboten wurden genau durchsucht; doch fand man na-türlicher Weise nirgends eine Spur des Verbrechens, weilman den wahren Thätcr auf keine Weise zur Verantwor-tung zog und sein Zimmer nicht berührte. Es war je-doch schicklich, daß man wegen eines so wichtigen Dieb-stahls jemand scstsetztc, und so ward der arme Lakai dasOpfer des gerichtlichen Anstandes. Der eigentliche Ver-brecher ließ mit der größten Gleichgültigkeit die Verhaf-tung des unschuldigen Menschen geschehen. Dieser wardeinige Tage lang mit Verhören gemartert und konntenichts bekennen. Auch war nicht der geringste Umstand