können Sie von einem Manne meines Ansehens und Ver-mögens erwarten, daß er seine einzige Tochter an einenarmen Handlungsdiener verschleudern wird? — DiesenSchwindclgedankcn geben Sie auf! Da Sie mir aberdurch glückliche Rettung meines Tuchlagers einen gutenDienst erwiesen haben, so schenke ich Ihnen unter der Be-dingung, daß Sie mein Haus noch heute verlassen, diesehundert Stück Louisd'or."
„Mein Leben war für Gold nicht feil;" sagte Hermann,schob die Geldrolle zurück, und stürzte voll Verzweiflung fort.
Mathilde, die jetzt ihr achtzehntes Jahr angetretenhatte, ward von Freiern umlagert. Sie lehnte verschie-dene Anträge ab, und der Vater, dem sie selbst nicht ge-fielen, ließ es geschehen. Endlich aber erschien ein Mannnach seinem Herzen. Das war Herr Diethard, einjunger, abgeschmackter Lasse, für den sein Vater ein großesVermögen zusammcngegeizt hatte. Auch diesen Bewerberwollte Mathilde znrückweisen; allein ihr Vater bestandmit Heftigkeit darauf, daß sic den reichen Taugenichts dul-den und sich mit ihm verloben mußte.
Nach Endigung dieses Festes, mit welchem unsere Er-zählung begann, ging Bert hold vergnügt zu Bette.Am Morgen fand man ihn starr und todt.
Mathilde fiel in Ohnmacht. Der Bräutigam, denman sogleich herbciricf, stellte sich Anfangs, als hättenSchrecken und Schmerz seinen Verstand angegriffen. Erfiel sich mit beiden Händen in die Haare und stieß denKopf gegen die Wand. Bald aber legte sich der Sturm,und der jammernde Heuchler ward ein gemeiner, habsüch-tiger Mensch. Er bemächtigte sich der Schlüssel zu dem