198
Nach einer Weile traten sie nahe bei ihr hinter Gebüschhervor, als kämen sie, dem Vogelfänge nachgehend, zu-fällig an diesen Platz.
„Ei, Schwesterlein!" sagte Jakob mit verstellter Freund-lichkeit, „finden wir uns hier? Wir sehen mit Verwunde-rung, daß du schon so fleißig gewesen bist. Und wie zier-lich sind alle Zweige geschnitten! Du Schelmin, hast wohlgar eins von unfern Bartmcffern dazu gebraucht?"
„Ach, Gott! wie könnt ihr das glauben?" sagte Therese.
»Läugne nur nicht!" sprach Paul. „Dein stumpfesMesser kann solche Dinge nicht thun."
„Es wäre dir auch nicht zu verdenken, wenn du dichnach einem bessern Werkzeuge umgesehcn hättest;" setzteJakob hinzu. „Die Mutter ist sehr unbillig, daß sie dichzwingt, dich mit einem so unbrauchbaren Dinge zu placken."
Therese hatte die Hippe mit ihrer Schürze bedeckt;aber sie sah voraus, daß man sie gewaltsam nöthigenwürde, den Ursprung des scharfen Werkzeuges, dessen siesich unläugbar bedient hatte, zu bekennen. Die ungewöhn-liche Freundlichkeit ihrer Brüder gab ihr dazu Muth; siegestand den ganzen Vorgang ehrlich und wahr, zeigte denBuben die Hippe, machte ihnen die Art und Weise desEmpfangs und der Rückgabe bekannt, bat aber dringend,der Mutier die ganze Sache zu verschweigen.
Das versprachen die Brüder; sie hatten jedoch nicht Lust,ihr Wort zu halten, und beschießen überdieß, noch eineandere Unthat zuvor auszuübcn.
Sie federten das Mädchen aus, mit ihnen nach Hausezu gehen. Therese antwortete: sie trage Bedenken, sichschon jetzt auf den Weg zu machen, weil cs die Mutterbefremden würde, daß sie diesmal innerhalb einer Stundemehr Holz gewonnen, als sie sonst nach einer viel längern