-<>D 164
Neuntes Kapitel.
Der Vormund.
Fritz und Philippine trafen sich »UN täglich an derWirthstaftl und wurden allmählich mit einander bekannt.Er redete sie meistens zuerst an und gab ihr Nachrichtvom Wetter. Sie ließ sich zu seiner Eingeschränktheitherab, und plauderte mit ihm manche Viertelstunde vonden unbedeutendsten Dingen, worüber sie sonst keine Splbezu verlieren pflegte. Die Gutmüthigkcit des Jünglings,die aus jedem Gesichtszuge sprach und in jedem Wortesich ausdrückte, erwarb ihm ihre Nachsicht und Gunst;und es stieg oft der Gedanke bei ihr auf, daß er die vor-trefflichsten Anlagen zu einem Manne habe, mit dem sic,die Ehescheue, sich wohl selbst ohne Bedenken vermählenkonnte. —
Außer der Tischzeit setzte er seine Lauscher« hinter de»Vorhängen fort, und versäumte darüber seinen Vormundzu besuchen, der ein nahes Landgut bewohnte. Das fieldem alten Herrn sehr auf, und er spazierte deßwcgen einesNachmittags in die Stadt. Als er bei seinem Mündelanklopste, hörte niemand. Er meldete sich mchrnials ver-gebens, öffnete endlich das Zimmer und sah den jungenHerrn, mit dem Rücken gegen die Thür, am Fenster kauernund lauern, als ob er Vögel fangen wollte. Was mager vorhabe»! dachte der argwöhnische Spitzkopf und schlichauf den Zehen näher. Er ward von Fritzen nicht be-merkt, und hockte schon, mit krummen Kniecn auf denFüßen gleichsam sitzend, hinter ihm, um das belauerteVögelchen auch zu entdecken. Aber che das dem altenSpion gelang, kam ihm Plötzlich ein unaufhaltsames Nie-sen an. Fritz, der sich eher des Himmels Einfall, als