sah! — Doch so weit bin ich in der Philosophie nochnicht gekommen, und ich habe mich deshalb nach einerFreundin umgesehcn, die mich nicht nur im Besitz einesBechers erhalten, sondern mir ihn auch mit Wein füllenwird. Kurz, ich heirathe eine ehrbare Kaufmannswittwe,die reine zwanzigtausend Thalcr besitzt. Sie hat freilichschon ihr achtes Stufcnjahr hinter sich, und die böse Weltsagt ihr wahrscheinlich nach, daß sie sehr häßlich sep; aberwas thut das? Ich bin davor sicher, daß sich nicht Her-zensdiebe in mein Haus schleichen, und im übrigen sindwir in so gesegneten Umständen, daß wir alle Spötterverlachen können. — Noch nicht dreißig Jahre alt, nichtunwissend und reich! — Ha, was fehlt mir nun noch,um ein wichtiger Mann zu werden!" —
Mit diesen freudigen Aussichten trat er an den Altar,und sie schimmerten ihm während des ganzen Hvchzeitta-geö vor den Augen- Doch schon am nächsten Morgen ver-schwanden sie wie ein Nebel, und er ward mit Schreckenund Neue gewahr, daß er sich ein schweres Kreuz aufge-ladcn hatte. Seine Ehehälfte fing sogleich an, sich durchdie gemeinsten Sitten widrig zu machen. Mit dem erstenSchritt in's Haus maßte sie sich die Alleinherrschaft anund gab strenge Gesetze, ohne den, der auf die Mitregie-rung einen gerechten Anspruch hatte, darüber zu fragen.Alle ihre Einrichtungen und Befehle zeigten, daß sie vomGeize besessen war. Der arme Mann hatte also verge-bens darauf gerechnet, seinen Becher mit Wein gefüllt zusehen: er mußte sich mit Halbbier begnügen. Die Spei-sen waren von gleichem Werthe. Und was für anmuthigeTischreden führte die gute Mithin! Sie sprach von nichtsals häuslichen Unfällen und Verdrießlichkeiten, und ver-schlimmerte noch alles durch Uebertreibung. Man hätte