-«-D 128 <§-«-
den Tage ließ er mich rufen, zeigte mir einen mit eige-ner, hoher Hand geschriebenen Aufsatz, der zwei ganzeBogen füllte, und rief mit Selbstgefälligkeit aus: Hier,mein Herr! Kurze ist keine Hexerei. Ich habe das, wasSie für unmöglich hielten, möglich gemacht. — Mit Er-staunen sah ich ihn an und antwortete: Ich mnß Ew.Gnaden mißverstanden haben. Sie befahlen mir wahr-scheinlich, meinen Vortrag wcitläustiger einzurichten. —Nicht doch! fiel er mir zürnend in's Wort: Kürzer sollt'er sepn; und das ist er jetzt unter meiner Feder gewor-den. — Mich überlief ein kleiner Schauer; denn ich hieltdiese Behauptung, welche meinen Sinnen widersprach, füreinen Anfall von Wahnsinn. In dieser Angst blieb icheine Weile stumm und verglich mein einfaches Blatt mitseinen zwei Bogen. — Zum Henker, Herr Sccretär! fuhrer mich endlich wieder an: Begreifen Sie denn nochnicht, wo der Knoten sitzt? Da stehn Sie und zählen wieein Kind die Blätter, als ob diese die Kürze oder Längeeiner Schrift ansmachtcn. Ich hätte Sie, bei meinerEhre! für so unwissend und albern nicht angesehn. Ei,so zählen Sie doch die Perioden! Ihr Aufsatz enthält eineHeerde von zwanzig Stück, und der meinige — nur drei!
— Jetzt schauderte mir noch mehr, und ich zog michschnell mit einer tiefen Verbeugung nach der Thür zurück.
— Merken Sie sich, was ich Ihnen gesagt habe; rief ermir »ach: die Zahl der Perioden entscheidet. BefleißenSie sich also künftig nach diesem Maßstabc der Kürze!
— So endigte sich unser gelehrter Streit. Was sagst duzu dieser ernsthaften Posse? Ich ärgerte mich Anfangs;aber hintendrein lachte ich auch weidlich."
„Ein drolliges Gescllschaftsstück dazu liefert die Sprach-weisheit des Herrn Kammcrraths von * ", welcher bei