Indessen hatte sich der Herr v. Nestor wieder ermannt.Er stürzre wild auf die Wiege zu, bückte sich darüber hinund brummte: Was ist das!
„Ein Kind, wie Sie sehen;" sprach Leopoldinc: „Erhe-ben Sie nur keinen Lärm!"
Ein Kind? rief er heftig: Wessen Kind?
„Sonderbarer Mann! das Ihrige! Warum toben Siedenn? Sie werden die schlummernde Wöchnerin erwecken."
„Das will ich!" rief er schäumend und riß den Bett-vorhang auf. Seine zitternde Frau, die in diesem Augen-blicke ihre muthwillige Schwester verwünschen mochte, hattesich unter die Betten verborgen; aber er würde sie gewalt-sam hervorgezogen haben, wenn nicht eben zu ihrem Glückdie Thür aufgcgangcn und ihr Vater, ein Greis von demehrwürdigsten Ansehn, ins Zimmer getreten wäre.
Nestor wandte sich schnell, raffte die Puppe aus derWiege, rannte damit dem Alten entgegen und drückte sieihm mit den Worten: „Da! Ihre fromme, tugendbelobteTochter hat Sie um vier Monate zu früh zum Großvatergemacht!" in die Arme.
Der Greis schüttelte schweigend und ernst den Kopf,trug den ihm aufgedrungenen Enkel an's Licht, hob gelas-sen den Schirm weg und beschaute das Windelkind. So-gleich fing er an zu lächeln und berührte die wächsernenWangen mit der Spitze eines Fingers.
„Herr Sohn," sprach er jetzt, „lassen Sie sich immergefallen, dieses liebe Kind für das Ihrige anzuerkennen.Es ist zehnmal frömmer als meine Tochter, wird Sie niedurch Geschrei beunruhigen und Ihnen für Unterhaltungund Erziehung keinen Heller kosten. Sehen und fühlenSie nur, was es für ein' derber Junge ist!"
Mit diesen Worten faßte er feines Eidams widerstrc-