oD 30
tendcn Handwerker crcelleuztcn ihn) sich für zu vornehmhielten, mit andern Adamskindern unter Einem Dache zuwohnen. In dieser Muthmaßung bestärkt mich der Um-stand, daß er jedes Mal, wenn er ausgehen wollte, einenLakeien als Kundschafter, ob die Treppe rein von Men-schen scp, voraus schickte, um nicht i» die Verlegenheit zugcrathen, den Gruß eines Hausgenossen erwiedern zu müssen.
Er vermied sorgfältig, mit Leuten von uiederm Standedas kleinste Wörtchen zu wechseln. Daher ließ er zumBeispiel dem Barbiergesellcn, der ihn bediente, strengeverbieten, guten Tag oder Adieu zu sagen. Er mußteeben so stumm kommen, den Bart schecrcn und wieder ge-hen, wie das bekannte Barbicrgespenst in den Volksmähr-chen der Deutschen.
Eines Tages erschien ein Neuling, der noch nicht dieGnade gehabt hatte, de» Herrn geheimen Rath einzusei-sen. Der Gebrauch seiner Zunge war ihm von den Be-dienten im Vorz mmer untersagt worden; er gab alsokeinen Laut von sich, und es ging Anfangs alles trefflichund gut. Als er aber mit seinem Messer in die Gegendzwischen Mund und Nase kam, schien seine Methode mei-nem Herrn äußerst zu mißfallen. Er verzerrte grimmigsein Antlitz und orgelte sogar vor Verdruß mit den Fü-ßen. Allein der Bursch bemerkte diese stummen Ausbrüchevon Unmuth entweder nicht, oder ließ sie sich nicht an-fechten; kurz, er that, was seines Amtes war, und tratschweigend ab.
Stracks zog der geheime Rath die Klingel und befahldem kommenden Bedienten, daß er den Chirurgus, beiwelchem der mißfällige Gesell in Diensten stand, sogleichherbei holen solle. „Sagt ihm," rief er dem sortcilendenBedienten nach, „daß ich ihn augenblicklich erwarte."