Druckschrift 
2 (1847) Die unsichtbare Loge : 2ter Theil
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

210

umkchrte und daß musikalische Nieten poetische Treffergäben.

Vor Tags machten wir uns gestern aus dem Bette, ichund mein musikalischer Souffleur.Wir müssen, sagt' ichzu ihm, vier volle Stunden draußen herumjagcn, eh' wir indie Kirche gehen", nämlich nach Ruhestatt, wo der vor-treffliche Hr. Bürger aus Großcnhayn*) als Gastpredigerauftrctcn sollte. Alles geschah. Bis diese Stunde weiß ichnicht, zieh' ich eine laue Sommernacht oder einen kaltenSommcrmorgen vor: in jener rinnt das zerschmolzene Herzin Sehnen aus einander; dieser härtet das glühende zurFreude zusammen und stählet sein Schlagen. Unsere vierStunden zu palingenesircn müßte man aus hundert Lust-und Zagdschlösscrn die Minuten dazu zusammentragen undes hinkte doch. Die Morgendämmerung ist für den Tag,was der Frühling für den Sommer ist, wie die Abenddäm- Lmcrung für die Nacht, was der Herbst für den Winter. Wirsahen und hörten und rochen und fühlten, wie allmälig einStückchen vom Tag nach dem andern aufwachte wie derMorgen über Fluren und Gärten zog und sic wie vornehmeMorgenzimmcr mit Blüten und Blumen räucherte wieer, so zu sagen, alle Fenster öffnete, damit ein kühlenderLustzug den ganzen Schauplatz durchstriche wie jede Kehledie andre weckte und sic in die Lüfte und Höhen zog, ummit trunkner Brust der steigenden vertieften Sonne entgegenzu fliegen und entgegen zu singen wie der beweglicheHimmel tausend Farben rieb und verschmolz und den Falten-

*) Seine vor einem Jahre gedruckten Predigten werden nachdem Geschmack eines jeden sepn, der meinen hat.