jener Dalken, unter dem man in prophetischen Nächten hinaushorchen muß, um die Wolkengestalten der Zukunft zu sehenund zu hören. Und wahrhaftig, ich sah im eigentlichen Sinn,was der Aberglaube sehen will — ich sah, wie er, Särgeauf Dächern und Leichengcfolge an der einen Thüre undHochzcitgästc und Brautkranz an der andern, und das Men-schcn-Jahr zog durch das Dorf und hielt an seiner rechtenMuttcrbrust die kleinen Freuden, die mit dem Menschen spie-len, und an seiner linken die Schmerzen, die ihn anbellcn;es wollte beide nähren, aber sie sielen sterbend ab, und sooft ein Schmerz oder eine Freude abwelkte, so oft schlugeiner von den zwei Klöppeln zum Zeichen an die Thurm-glockcn an. . . . Ich sah nach dem weißen Wald hinüber,hinter welchem die Wohnungen meiner Freunde liegen. Ojunges Jahr, sagt' ich, zieh' zu meinen Freunden hin undleg' ihnen in ihre Arme die Freuden aus deinen und nimmdie zurückgebliebnen zähen Schmerzen des alten mit, dienicht sterben wollen! Geh' in alle vier Weltstraßen undvcrtheile die Säuglinge deiner rechten Brust und mir lasse
nur einen — die Gesundheit!-
Die Töne des Thurms verströmten in die weite mondloseNacht hin, die ein großer mit Stcrnen-Blüten übersäeterWipfelwar. Bist du glücklich oder unglücklich, kleiner Schulmeister Wuz,daß du auf deinem Thurm der weißen Mauer und einem weißenStein des Auenthalcr Gottesackers entgegen stehest und dochnicht daran denkest, wen Mauer und Stein verschließen, den-selben nämlich, der sonst an deinem Platze in dieser Stilleauch wie du das neue Jahr begrüßte, deinen Vater, derwieder eben so ruhig wie du über die verwesenden Ohrendcö sinnigen hinüber blies? . . . Ruhiger bist du freilich,