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schuld angcfcindet hätte, die seinige verlieren in der unge-wöhnlichen Umkehrung der Verhältnisse und zwar um soleichter, je mehr die weibliche Versuchung zärter, feiner unddurchdringender ist, als die männliche. Daher verführenzwar Männer; aber Jünglinge werden gewöhnlich anfangsverführt — und eine Versucherin bildet zehn Versucher.
Verzeihe, reine Bcata, uns allen den Ucbergang zudir! — Du hütest in dieser Spätnacht ein Zimmer des fürst-lichen Schlosses ganz einsam, aber mit Freuden an Freuden;denn du hattest Gustavs Brief an dich in der Hand und ander Brust; und im ganzen Pallast war heute die kränklichsteSeele die glücklichste; denn der Brief, den sie einmal lesen,küssen, ohne innere und äußere Stürme ausgenießcn konnte,leuchtete ihrem zarten Auge milder als die Gegenwart desGegenstandes, dessen Glühfcuer erst durch eine Entfernungzur wehenden Wärme fiel; seine Gegenwart überhäufte siemit Genuß zu sehr und sie umarmte da jeden Augenblickden Genius ihrer Tugend, wenn sie glaubte, blos ihren Freundzu umfassen. — In dieser Lenz-Entzückung, als sie in dereinen Hand den Brief und in der andern den Genius derTugend hatte, störte sie der Scheerauische — Fürst. So schiebtsich auf dem Bauch eine Kröte in ein Blumenbeet.
Einer Frau wird ihr Betragen in solchem Fall nur dannschwer, wenn sie noch unentschlossen zwischen Gleichgültigkeitund Liebe schwankt; oder auch wenn sie trotz aller Kälte ausEitelkeit doch gerade so viel bewilligen möchte, daß die Tu-gend nichts verlöre und die Liebe nichts gewönne; — hin-gegen im Fall der vollendeten tugendhaften Entschlossenheitkann sie sich frei der innern Tugend überlassen, die für siekämpfet, und sie braucht kaum über Zunge und Mienen zu