Druckschrift 
2 (1847) Die unsichtbare Loge : 2ter Theil
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Resident«!; ihr ließ er (ich weiß nicht, vl> aus Galantriegegen ihr Geschlecht oder aus Scharfsinn und Freundschaftfür seines und für seinen Roman) meinen und ihren Helden.Ich wollt' eS vor einem akademischen Senat aussühren, daßcs für einen, der erst ein Engel werden will, nichts fataleresgibt, als mit einer, die er schon für einen hält, Nachts auseinem Tanzsaale nach Hause zu fahren dennoch wurdemeinem Helden kein Haar gekrümmt und er krümmte auchkeines.

Aber verliebter wurd' er, ohne zu wissen in wen.

Bcata hatte keine eben so gefährliche Mitternacht oderNachmitternacht; aber ich will erst seine abfcrtigcn. Er kammit der Residentin in ihrem Zimmer an. Er konnteund wollte von seinen heutigen Szenen gar nicht los. Die-ses Zimmer stellte ihm alle die vergangnen dar und in denSaiten des Klaviers verbarg sich eine ferne geliebte Stimmeund hinter der Folie des Spiegels eine ferne geliebte Ge-stalt. Sehnsucht reihete sich wie eine dunkle Blume unterden bunten Freudcn-Strauß; die Residentin gewann auch beidieser dunkeln Blume. Sie war keine von den Koketten,welche die Sinne früher zu bewegen suchen als das Herz;sie siel erst in dieses mit dem ganzen Heer ihrer Reize einund führte nachher aus diesem, gleichsam in Feindes Land,den Krieg gegen jene. Sie selber war nicht anders zu er-obern, als sie bekriegte. Wenn die Weiber der hvheru Klasse,wie die Epigrammen, in solche, die Witz, und in andre, dieEmpfindung haben, einzutheile» sind: so glich sie mehrdem griechischen als dem gallischen Sinngedicht, wicwol diegriechische Aehnlichkeit täglich kleiner wurde. Die Maien-luft ihres früher» Lebens hatte einmal eine weiße Blüte