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Phantasie, die den von der Kultur dünn geschliffnen Leutengefallen will, muß schimmern, aber nicht brennen, muß dasHerz kitzeln, aber nicht bewegen; die Aeste einer solchen Phan-tasie werden nicht von schweren gedrängten Früchten, son-dern von Schneelast nieder gebogen. An solchen Hof-Poetenund an Ohrwürmern sind die Flügel gleichsam unsichtbarund winzig, aber beide finden leichter die Wege zum Ohr.An deutschen Gedichten ist nichts; hingegen die meisten fran-zösischen riechen nicht nach der Studir- und Sparlampe,sondern eher nach parfümirten Strumpfbändern, Hand-schuhen u. s. w., und fe weniger sie haben, was den Men-schen intcressirt, desto mehr haben sie, was den Weltmannreizt, weil sie nicht mehr die Natur und Himmel und Holle,sondern ein Paar Besuchzimmcr abmalen und so nicht unge-schickt in immer engere Windungen des Schneckenhauses sichzurückdrängcn.
Ocfel war zugleich Theater-Dichter, Spieler und Rollen-Schreiber. Er zog aus dem Drama die Rolle Beatens her-aus, die er mit den feinsten Anspielungen auf ihr gegensei-tiges Licbcverständniß (dacht' er) oder auf ihr einseitiges(denk' ich) in die Welt gesetzet hatte. Die zärtlichsten Winkehatt' er in den Stellen, wo er mit Beata zusammen spielte,hinein versteckt. Er zog deswegen unter manche feine Liebe-Erklärung und Empfindung bei dem Abschreiber: eine exege-tische Linie und bezifferte verständig seinen Generalbaß.„Ueber tausendmal wird die Schalkhafte das überlescn", sagt'er zu sich.
Darauf überreichte er ihr bald nach ihrer Ankunft ihreRolle mit weit mehr scheuer Ehrfurcht, als er selber wußte.Zum Unglück für unfern guten dramatisirenden Hasen siel
Iran Paul's auSgcw. Werke. II. g