fertig und seine Liebe verewigt, wie die der Spinnen, dieman gleichfalls in Bernstein gepaarct und verewigt an-trifft. Ich sage dicß alles, nicht um meinen Gustav zu recht-fertigen , sondern nur zu entschuldigen: denn diese Ro-manschrciber sollten doch auch bedenken, daß die angenehmeSittcnrohcit, deren Mangel ich an ihm vergeblich zu bedeckensuche, auch bei ihnen fehlen würde, wenn sie so, wie er,mehr durch Erziehung, Umgang, zu feines Ehrgefühl undLektüre (z. B. Nichardsons) waren verdorben worden.
Ich schäme mich, daß Gustav eine solche Ignoranz inder Liebe hatte, daß er in einigen der besten Romane Nach-sehen wollte, ob er setzt einen Liebebricf an Bcata zu schrei-ben habe — sa daß ihre Abwesenheit ihn in Sorgen wegenihrer Gesinnung und in Verlegenheit über sein Betragensetzte. Aber die Stärke der Gefühle macht so gut dieZunge arm und schwer als der Mangel derselben. ZumGlück hüpfte ihm oft die kleine Laura — nicht im Park(denn nichts macht mehr Dintcn- und Kaffceklcckse auf eineschöne Haut als die schöne Natur), sondern unter vierMauern — entgegen und die Schülerin ersetzte die Lehrerin.
Aber eine auferstandene höhere Gestalt betrat setzo dasLand seiner Liebe. Ottomar, von dessen beidlcbigem Körper— als Amphibium zweier Welten — bisher so viel Redensin Vorzimmern gewesen, trat damit selber im Zimmer derNesidcntin auf. Sein erstes Wort zu dieser war: „Sie„mög' ihm verzeihen, daß er nicht eher in Ihrem Vorzimmer„erschienen— er wäre beerdigt worden und hätte nicht eher„gekonnt. Aber er sei der Erste, der nach dem Tode so„bald ins Elysium (hier sah er schmeichelhaft an den Land-„schaftstückcn der Tapeten herum) und zu den Göttern käme."