74
nen kommen, aber um dich keine mehr, sondern um Todte,die erst begraben werden -— und wenn deine Lilien-Mumiesich auseinander gebröckelt hat, so denkt man nicht mehr andich; bloö der Traum licset noch deine in den Erdball ge-mengte Pastell-Gestalt zusammen und schmücket mit ihr imgraugewordnen Kopfe deines Gustavs seine hinter dem Lebenruhenden Jugend-Auen, die wie der Verrusstem am Himmeldes Lebens-Morgens der Morgenstern und am Himmel desLebens-Abends der Abendstern sind und flimmern und zitternund die Sonne ersetzen.... Ich mag nicht zu deiner Seelen-Schcidc, zum Leichnam, sagen: Amandus! liege sanft. Dulagst in ihr nicht sanft; o noch jetzo dauert mich dein un-sterbliches Ich, daß es mehr in seinem knappen Nervenge-bäude als im weiten Weltgcbäude leben, daß es den edelnBlick nicht zu Sonnenkugcln ausheben, sondern auf seinequälenden Blutkügelchen einkrümmcn mußte und für die großeHarmonie des Makrokosmuö seltner Wallungen fühlen alsfür die Mißlaute seines Mikrokosmus! — Die Kette derNotwendigkeit schnitt tief in dich ein, nicht bloö ihr Zug,auch ihr Druck führte dich Narben zu. ... So jämmerlichist der Lebendige! Wie können von ihm die Todten ein An-denken verlangen, da er schon, indem er darüber redet, er-mattet. . . .
Als nun Gustav zu Hause war: setzte er einen Brief anden Doktor auf; der ringende Kummer, worin dieser sich andie Pyramide gelehnt und gehalten hatte, bewegte ihn un-aussprechlich; und er siel im Briefe ihm an diese zersplittertewunde Brust und mehrte ihre Schmerzen durch seinen Liebe-druck, indem er ihn bat, ihn zum Sohne anzunehmen undsein väterlicher Freund zu werden.