65
sucht in Aug' und Lippe die Bitte,-Beaten herzuholen,
die sa einem Sterbenden nicht die letzte Bitte versagen könne,daß sein Vater cs auch nicht konnte; sondern versprach (trotzdem Gefühle der Unschicklichkeit) zu ihrer Mutter zu fahrenund durch diese scne hcrzubercden und beide zn bringen. —Fenk wußte, daß in seiner ganzen Krankheit kein Abschlagenetwas verfing — daß er, wenn er ihn am letzten vergeb-lichen Wunsche gestorben sähe, den Gedanken nicht tragenkönne, dem Leichnam die Todesminuten, die er noch ans-schlürfte, verbittert zu haben — und daß Mutter und Tochterzu gut wären, um nicht gegen seinen Sohn zu Handel» wieer: kurz er fuhr.
Als der Vater hinaus war: sah der Kranke unfern undseinen Freund mit einem solchen Strom von lächelnd ver-sprechender Liebe an, daß Gustav von der treuen müden Seele,deren Scheiden so nahe war, den längsten Abschied diesesLebens nehmen wollte: „meine Lippen, dacht' er, sollen nur„noch einmal gedrückt aus seinen liegen und meine Brust auf„seiner — nur noch einmal will ich den warmen Leichnam„umschließen, da noch eine Seele darin mein Umfassen fühlt —„nur noch einmal will ich seinem wcgziehenden Geiste, da„ich ihn noch erreiche, Nachrufen, wie ich ihn geliebt habe und„lieben werde." Unter diesen Wünschen heiligte das schönsteWeihwasser dcS Menschen sein Auge. Aber er unterließ den-noch alles, weil er besorgte, unter diesem Sturm des letztenLiebcns ließen die gerissenen Bande des Körpers die bewegteSeele los und an seinem Munde stürbe der Schwache. .. .
Diese Zärtlichkeit, die sich selbst aufopfert und nicht ausder Nonncnzelle des Herzens tritt, gefällt mir mehr als einbelletristischer und theatralischer Final-Orkan, wo man cmpfin-
Jean Paul's ausgew. Wirke, II.
ö