Druckschrift 
2 (1847) Die unsichtbare Loge : 2ter Theil
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

63

Eigensinns stille zu seyn. Auf solche Herz- und Liebe-dienste gegen arme Sterbende schauet man nach vielen Jah-ren mit mehr Zufriedenheit zurück, als auf die gegen alleGesunde auf einmal und doch sind beide nur um einpaar Stunden verschieden; denn du steigest nicht oft in dei-nem Bette aus und ein, so bleibst du darin liegen. ....

Lieber Tod! ich denke fetzt an mich. Wenn du einmalin meine Stube trittst: so erweise mir den Gefallen undschieße mich an meinem Leeret-üre oder Schreibtische Knallund Fall todt; wirf mich, lieber Tod, nicht hinter die Vor-hänge aufs Krankenbette und suche mit deinem Trennmesserlangsam jede Ader, um sie vom Leben loszutrennen, so daßich dir ganze lange Nächte ins zergliedernde Gesicht sehenmuß oder daß unter deinem langen Seivenzupfen meinesScelenkleideS alles hcrläuft und gesund zuschaut, der Ritt-meister, der Pestilenziarius und meine gute Schwester.Reitet dich aber der Henker, daß du keine Vernunft annimmst:so, lieber Tod da keine Hölle ewig dauert scheer'ich mich auch nichts darum, um die letzte Scheererei nachtausend Scheercreien.

Der Doktor Fenk hatt' in seinem Gesicht nicht die Aengst-lichkeit vor einem kommenden Verlust, sondern das Trauernüber einen dagewesencn; er hielt seinen Sohn für ein zer-schlagenes Porzellan-Gefäß, dessen Scherben man noch inder alten Zusammensetzung auf den Putzschrank stellt unddas von dessen kleinster Erschütterung aus einander fällt.Er verbot ihm daher nichts mehr. Er nahm sogar einigemännliche Pazienten an,weil er zu Hause einen hätte undsich den Gedanken an ihn wegkuriren wollte." Der Krankeselber hörte schon den Abendwind seines Lebens wehen. Vor