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5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
237
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Abendmahltag, wo die schonen Herzen alle von einanderVergebung baten und bekamen. Viktor antwortete endlichzugleich wahr und beziehend und fein:Sie setzen beide,glaub' ich, unmögliche Fälle: kein Mensch hat ganz Unrechtund keiner ganz Recht; und wer vergibt, dem wird zugleichvergeben, und umgekehrt so thcilen zwei Menschen, diesich versöhnen, immer die Freude der Verzeihung und dieFreude der reinern und größer» Liebe mit einander."Viktor ging, um eine Rührung zu verbergen, durch dieer eine fremde zu sehr erhöhte. Aber auf seinen nahen undfernen Wegen zwischen Tönen und Blüten hielten in ihmGefühle an, die seine Liebe verdoppelten und verherrlichten;er fühlte, daß der stärkste Ausdruck der Liebe nicht so festund innig in die Seele greise als der feinste. Allein alser vor der Sonnenuhr vorüberging, die mit einem Maßstabeaus Schatten uns andern Schatten ihre engen glücklichenInseln zuzählte, und als ihm der Mond auf der Wage mitseiner innenstehcnden Schattenzunge die letzten Minuten die-ser frohen Stunde vvrwog, weil er nach Mitternacht hinzeigte, gleichsam als wenn er schriebe: es ist sogleich vor-über: so trat der Engländer allein langsam und niederblik-kend aus dem Florgewebe und ging unter die Töne, um sicwegzusühren mit dem ganzen Himmel um sie. Viktor, derim stillen Meer der tiefsten Freude nicht mehr nach Ge-genden steuerte, sondern zufrieden daraus taumelte und ruhte,und in der Zukunft nichts begehrte als die Gegenwart, wan-delte jetzo nur auf den langen Terrassen hin und her, anstattden Garten auf- und abzusteigen er stand gerade auf derobersten, aus der Blumentcrrasse, an dem Morgenspringbrun-uen und sah den dämmernden Weg hinüber zum blinkenden