empor, und beide sahen zu einander wie Mond und Sonneherüber.
Und gerade an dem Abendbrnnncn hatte Emanuel seinenZwischcngarten. Denn er liebte als Indier physische Blu-men wie poetische, und ihm war im Dezember ein Blumen-buch eine gewiegte Blumenau, und ein Nelkenblätterkatalogwar für ihn die Hülse und Chrysalide des Sommers. Erführte seine Geliebten auf der blumigen Region des Bergesdurch die unschuldigen Blumen hindurch, die, wie gute Mäd-chen, weder Sonne noch Erdreich zum eignen Leben dem fremdennehmen — vor der Goldguaste der Tulpe vorbei — vorden Miniaturfarben des Vergißmeinnicht — vor den buntenGlocken, die auch wie die lauten in den Gießlöchern derErde gegossen werden — vor den Ohrroscn des Augusts,nämlich den Rosen — vor dem Kato, der nicht der lustigeEngländer, sondern eine ungeflammte Aurikel ist, die bei H.Klefekcr in Hamburg zu haben — vor der geliebten Agathe,die an die andere in St. Lüne erinnerte und die eine schöneSchlüsselblume ist. . . .
Endlich kamen sie an die Abcndlaube und an EmanuelSBlumen, nämlich an schneeweiße Hyazinthen, in deren Ver-schattung der durchstralte Abendspringbrnnnen eine bleicheNöthe tuschte. O wie schön, wie schön wehte da die Wärmeder Abendsonne herüber und die Kühle dcS Abendwindcs! —Aber warum sinket, Klotilde, dein Auge und dein Haupt hierso traurig gegen die Blumen zu? Jst's, weil die Wasser-säule erlischt, weil die Sonne untergeht? — Nein, sondernweil die weißen Hyazinthen in der Blumistcnsprache Juliaheißen — o weil der Gottesacker herübersicht, dessen hohewankende Grasblumcn mit ihren Wurzeln über zwei gelieb-