Druckschrift 
5 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : drittes Heftlein
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

161

edle Gesicht, an diese zum Versöhnkusse geründeten Lippenfallen aber er erschrak vor der neulichcn Abstoßung. Ersah setzo, wie Flamin ins Beet immer weiter schritt unddie Herzblätter der Kohlrabi langsam umtrat und ausein-ander quetschte; endlich merkte er, dieses Zerknirschen desgrünenden Namens sei blos die stumme Sprache der Trost-losigkeit, die sagen wollte:ich hasse mein gequältes Ichund ich möcht' cs zermalmen wie meinen Namen hier: fürwen soll er?" Das riß Blut aus Viktors Herzen undwcggekehrte Thränen aus seinem Auge, und er nahm sanftdie laug entzogne Hand, um ihn wegzuführen vom Selbcr-morde des Namens. Aber Flamin drehte sein zuckendesAngesicht seitwärts nach dem wächsernen Schatten seinesFreundes und sah, starr abgckrümmt, hinauf.BesterFlamin!" sagte Viktor mit dem gerührtesten Laute und drücktedie brennende Hand. Da riß sic Flamin aus seiner herausund stieß mit den zwei Handballen die Thräncntropfcn indie Augen zurück und athmetc laut und sagte erstickt:Viktor!" und wandte sich mit großen Thränen um undsagte noch dumpfer:liebe mich wieder!" Und sie stürz-ten zusammen und Viktor antwortete:ewig und ewig lieb'ich dich, du hast mich sa nie beleidigt," und Flamin stammelteglühend und sterbend:nimm nur meine Geliebte, und bleibemein Freund." Viktor konnte lange nicht reden und ihreWangen und ihre Thränen brannten vereinigt an einander, biser endlich sagen konnte:o du! o du! du edler Mensch! Aberdu irrest dich irgendwo! Nun verlassen wir unö nicht mehr,nun wollen wir ewig so bleiben. Ach wie unaussprechlichwerden wir uns einmal lieben, wenn mein Vater kömmt!"

Jea» Peuil's ausgcw. Werke. V. H