seine Augen von der geweihten Erde des Gartens, wo ihreFreundschaft sonst die Blüten geöffnet hatte, und von derOpferlaube, wo er bei seinem Vater für KlotildenS undFlaminS Verknüpfung gesprochen, und von der hohen Warte,dein Tabor der freundschaftlichen Verklärung, von allen die-sen Begräbnisstätten einer schönern Zeit mußt' er die Augenabwenden, um die ärmere zu ertragen. Allein das, was ernicht anschaucn wollte, stellte er sich desto Heller vor.
Jetzo dehnte die Gebet- und Abendglocke ihre melan-cholischen Bedungen aus bis an die Herzen der Menschen —die vergangnen Zeiten schickten die Töne und die Abend-klagen sanken wie heiße Bitten in die getrennten Freunde:„O söhnet euch aus und gehet zusammen! Ist denn das„Leben so lang, daß die Menschen zürnen dürfen, sind denn„der guten Seelen so viele, daß sie einander fliehen können?„O diese Töne zogen um viele Aschen-Leichen, um manches„erstarrte Herz voll Liebe, um manchen geschlossenen Mund„voll Grimm, o Vergängliche, liebet, liebet euch!" — Vik-tor ging willig (denn er weinte) dem Freunde nach und fandihn am Beete stehen, worauf Eymann dessen Namens-^ inKohlrabipflanzen grünen ließ, und er schwieg, weil er wußte,daß zu allen sympathetischen Kuren geschwiegen wer-den muß. O eine solche schweigende Stunde, wo Freundewie Fremdlinge neben einander stehen und mit dem Ver-stummen das alte Ergießen vergleichen, hat zu viele Herz-stiche und tausend erdrückte Thräncn und statt der Wortedie Seufzer!
Viktor so nahe am Freund wollte, da unter dem Ge-läute seine schönere Seele, wie Nachtigallen unter Konzerten,immer lauter wurde, von Minute zu Minute an dieses schöne