schminkter Fassung einer Christin auSzuhaltcn und zu erlebenvermochte, wenn eine etwas fallen ließ, eine Tasse oder einWort. Zu so etwas — zur Apathie gegen einen gegen-wärtigen gänzlichen Verlust eines Suppen-, eines Spül-napseS, eines Fruchttellers — ist vielleicht eben so viel Ge-sundheit als Vernunft vonnöthen.
— Endlich trat Abends der Hofsunker ein und sagte,Flamin sei noch im Garten. Viktor nahm cs auf, als seies ihm gesagt, und ging hinaus und trug sein beklommenesHerz einem andern bangen entgegen. Flamin fand er ineiner übcrlaubten Ecke hinaufstarrend mit den Augen zumWachöbilde des verstoßenen Geliebten; Viktors Herz gingwie zwischen Thränen schwer in der übervollen Brust. Fla-minS Gesicht war nicht mit dem Panzer des Zorns, sondernmit dem Leichenschleier des Kummers bedeckt. Denn hierauf dem Vorgrund einer Hellen warmen Jugend, gleichsamauf dem klassischen Boden der vorigen unersetzlichen Liebe,wurde er zu weich und zu warm — auf dem Dorfe wider-rief er die Härte der Stadt — und was noch mehr war,lauter Freunde seines Freundes, lauter liebevolle Lobredenauf den verschmähten Liebling drängten und wärmten seinverarmtes Herz und er konnte ihn hier noch leichter ent-schuldigen als entbehren. Viktor bewillkommte ihn mit dersanften Stimme eines gedrückten Herzens, aber dieser sagtealle Gedanken und Worte nur halb. Viktor schaucte tiefin die Seele, die um die Freundschaft trauerte; denn nurein Herz steht ein Herz; so sieht nur der große Mann großeMänner, wie man Berge nur auf Bergen erblickt. Er hielteö daher für kein Zeichen des Grolls, da Flamin langsamvon ihm wegging; aber er mußte, so einsam da gelassen^