147
wollte, dem er die Entbehrungen schuld zu geben hatte. End-lich sagte er, um das erschwerte Geständniß nur von derSeele zu werfen, eilend: „auf Pfingsten geh' ich nach Maien-„thal" — und ging fliegend zu den Worten über: „o gerade„heute vor einem Jahre gingst du mit."
Flamin unterfuhr ihn, und das Eisgesicht wurde wie einHekla von Flammen zerspalten: „So so! — Zu Pfingsten?
Nach Kusscwiz gehst du nicht mit uns! — Laß mich„doch einmal recht auöreden, Viktor!" — Sie blieben alsostehen. Flamin streifte die Blüten und Blätter von einemSchlehenast mit blutiger Hand und blickte seinen sanftenFreund nicht an, um nicht erweicht zu werden. „Heute vor„einem Jahre, sagst du? Sich, da ging ich eben Abends mit„dir auf die Warte und wir versprachen uns entweder Treue„oder Mord. Du schwurst mir, dich hinabzustürzen mit mir,„wenn du mir alles genommen hättest, alles — oder etwan„ihre Liebe; denn in deinem Beiseyn steht sie mich kaum„mehr an. — Bin ich denn beim Teufel blind? Seh' ich„denn nicht, die Maschinerie mit ihrer und deiner Reise ist„abgekartet? — Waö thust du mit den Maicnthaler Land-schaften gerade setzt? Wem gehört der Hut? — Und was„soll ich mir aus allem nehmen? — Wem, wem? sag'S, sag's„— O Gott, wenn'S wahr wäre! — Hilf mir, Viktor!"— Dem gemißhandclten, heute erschöpften Viktor standen diebittersten Thränen in den Augen, die aber Flamin, der sichdurch sein eignes Sprechen erzürnte, setzt ertragen konnte.Niemals nahm dieser in einer Ergrimmung Vorstellungenan: gleichwol erwartete er sie und staunte über sein Recht-haben und über das fremde Verstummen und begehrte, daßman widerspräche. Er quetschte seine Hand in die Schlehen-
10 »