LÜ8
Zehnter Gesang.
l.
t>.
Doch sollt ihr nicht die Liebe ganz verschmähen,Der Nath war' arg; denn ohne FrcundeökraftScheint ihr der Reb' im Garten gleichzustehen,Die ohne Pfahl sich keinen Halt verschafft.
Dem ersten Milchhaar sollt ihr nur entgehen,
Das immer flüchtig ist und flatterhaft,
Und nicht zu herbe, harte Frücht' ergreifen;
Allein dcßhalb auch nicht die überreifen.
10 .
Nach dem, wes ich erzählte, müßt ihr wissen,Daß man im Schloß Cimosko's Tochter fand,Die, wie Biren zn äußern sich beflissen,
Dem Bruder war bestimmt zum Eheband.
Allein es war ein viel zu leckrer Bissen,
Daher ihm selbst danach der Gaumen stand ;Und nberdnmme Großmuth schien'S dem Argen,Zu Andrer Lust sich selbst ihn abzukargen.
II.
Kaum vierzehn Jahre zählt' ihr junges Leben,Und löblich war das Mädchen, zart und mild,Frisch wie die Rose, die nun eben, eben,
Im Morgcnstrahl der grünen Knosp' entquillt.Auch fühlt Biren nicht nur ein leises Streben ;Kein Feuer faßt den Zunderstoff so wild,
Selbst jenes nicht, das mit feindscl'gem TrachtenOft Nciderhänd' in reife Halmen brachten: