„du mich, du Stummer, mit deinem kalten Munde? O„Geliebter, redest du noch einmal deine Verlassene an? —„Ach sprich, nur zum letztenmale, nur heute! . . Nein, drü-„ben ist's ganz stumm — nur die Gräber tönen nach —„aber die armen Uebcrdeckten liegen taub darunter und die„zerbrochene Brust gibt keinen Ton."
Aber wie schauderte sie, als das Trauerlied aufhörteund der Nachhall der Gräber allein sortsprach! — Und ihrLeben wankte, als das Echo näher ging, als ein Todter ausder Nacht trat und die bleiche Hand ausstreckte und ihrenahm und sagte: „warum weinest du, Geliebte! wo waren„wir so lange? — Mir träumte, ich hätte dich verloren."— Und sie hatten sich nicht verloren. — Aus Mariens ge-schlossenem Auge drang eine Freudenthräne, und eh' ihr Sohnden Tropfen weggenommen, war die Erde wieder zurückge-sunken mit den beiden neuen Beglückten.
Auf einmal stieg ein Funke aus der Erde herauf undeine fliegende Seele zitterte vor der zweiten Welt, als obsie zögere, hinaus zu gehen. Christus hob die entfalleneErdkugel wieder auf, und das Körpergewebe, aus dem dieSeele geflogen war, lag noch mit allen Wundenmalen eineszu langen Lebens auf der Erde. Neben dem gefallnen Laubedes Geistes stand ein Greis, der die Leiche anredete: „Ich„bin so alt wie du; warum soll ich denn erst nach dir ster-ben, du treues, gutes Weib? Jeden Morgen, jeden Abend„werd' ich nachrechnen, wie tief dein Grab, wie tief deine„Gestalt eingefallen ist, ehe meine neben dich sinkt... Oh! wie„bin ich allein! Jetzo hört mich nichts mehr; und sie nicht;„— aber morgen will ich ihr und ihren treuen Händen und