Jetzo sank eine hohe edle Gestalt mit einem unvergäng-lichen Schmerz ans der Höhe auf den Altar hernieder undalle Todten riefen: „Christus ist kein Gott?"
Er antwortete: „es ist keiner."
Der ganze Schatten jedes Todten erbebte, nicht bloö dieBrust allein, und einer um den andern wurde durch dasZittern zertrennt.
Christus fuhr fort: „Ich ging durch die Welten, ich„stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch„die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott. Ich stieg„herab, so weit das Seyn seine Schatten wirst, und schauete„in den Abgrund und rief: Vater, wo bist du? aber ich„hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und„der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine„Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und tropfte hin-unter. Und als ich aufblickte zur unermeßlichen Welt nach„dem göttlichen Auge, starrte ste mich mit einer leeren bo-denlosen Augenhöhle an; und die Ewigkeit lag auf dem„Chaos und zernagte es und wiederkäuete sich. — Schreiet„fort, Mißtöne, zerschreit die Schatten, denn Er ist nicht!"
Die entfärbten Schatten zerflatterteu, wie weißer Dunst,den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; undalles wurde leer. Da kamen, schrecklich für das Herz, diegestorbenen Kinder, die im Gottesacker erwacht waren, inden Tempel und warfen sich vor die hohe Gestalt am Altäreund sagten: „Jesus! haben wir keinen Vater?" — Und erantwortete mit strömenden Thränen: „wir sind alle Waisen,„ich und ihr, wir sind ohne Vater."
Da kreischten die Mißtöne heftiger — die zitterndenTempelmauern rückten auseinander — und der Tempel