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Wenn man in der Kindheit erzählen hört, daß die Todtenum Mitternacht, wo unser Schlaf nahe bis an die Seelereicht und selber die Träume verfinstert, sich aus ihrem aus-richten, und daß sie in den Kirchen den Gottesdienst der Le-bendigen nachäffen: so schaudert man der Todten wegen vordem Tode; und wendet in der nächtlichen Einsamkeit denBlick von den langen Fenstern der stillen Kirche weg undfürchtet sich, ihrem Schillern nachzuforschen, ob es wol vomMonde niedersalle.
Die Kindheit, und noch mehr ihre Schrecken als ihreEntzückungen, nehmen im Traume wieder Flügel und Schim-mer an und spielen wie Johanniswürmchen in der kleinenNacht der Seele. Zerdrückt uns diese flatternden Funkennicht! — Lasset uns sogar die dunkeln peinlichen Träumeals hebende Halbschatten der Wirklichkeit! — Und womitwill man uns die Träume ersetzen, die uns aus dem unternGetöse des Wasserfalls wegtragen in die stille Höhe derKindheit, wo der Strom deS Lebens noch in seiner kleinenEbene schweigend und als ein Spiegel des Himmels seinenAbgründen entgegenzog? —
Ich lag einmal an einem Sommerabendc vor der Sonneauf einem Berge und entschlief. Da träumte mir, ich er-wachte auf dem Gottesacker. Die abrollenden Räder derThurmuhr, die eilf Uhr schlug, hatten mich erweckt. Ichsuchte im auögeleerten Nachthimmel die Sonne, weil ichglaubte, eine Sonnenfinsterniß verhülle sie mit dem Mond.Alle Gräber waren ausgethan und die eisernen Thüren desGebeinhauses gingen unter unsichtbaren Händen auf und zu.An den Mauern flogen Schatten, die niemand warf, undandere Schatten gingen aufrecht in der bloßen Luft. In