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8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
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schied), und warum findet der Mensch eine große Einbußeweniger nothwendig und wahrscheinlich als eine kleine?Die Ursache ist: jede Empfindung und jeder Affekt istwahnsinnig und sordcrt oder bauet seine eigne Welt; derMensch kann sich ärgern: daß cs schon oder erst 12 Uhrschlägt. Welcher Unsinn! Der Affekt will nicht nur seineeigne Welt, sein eigenes Ich, auch seine eigne Zeit. Ichbitte jeden, einmal innerlich seine Affekten ganz auSreden zulassen, und sie abzuhören und auszufragcn, was sie denn ei-gentlich wollen; er wird über das Ungeheuere ihrer bishernur halb gestammelten Wünsche erschrecken. Der Zorn wün-schet dem Menschengeschlecht einen einzigen Hals, die Liebeein einziges Herz, die Trauer zwei Thränendrüsen und derStolz zwei gebogne Knie!

Wenn ich in Widmanns Hofer Chronik die ängstlichenblutigen Zeiten des dreißigjährigen Krieges durchlas, gleich-sam durchlebte; wenn ich das Hülferusen der Geängstigtenwieder hörte, die in den Donaustrudeln ihrer Zeit arbeiteten,und das Zusammenschlagcn der Hände und das wahnsinnigeHerumirren auf den zerstreueten mürben Brücken-Pfeilernwieder sah, gegen welche schäumende Wogen und reißendeEisfelder anschlugen und wenn ich dann dachte: alle Wo-gen sind zerflossen, das Eis zerschmolzen, das Getümmel istverstummt und die Menschen auch mit ihren Seufzern: soerfüllte mich ein eigner wehmüthiger Trost für alle Zeitenund ich fragte:war und ist denn dieser flüchtige Jammerunter dem Gottesacker thore des Lebens, den drei Schrittein der nächsten Höhle beschließen, der feigen Trauer werth?" Wahrlich, wenn es erst, wie ich glaube, unter einem ewi-