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Thränen nicht. Rosa inzwischen, der sich wie diebische Spie-ler immer an einer wiederspiegelnden Fläche aufhielt — undwar' cs Wasser, Fensterscheibe oder polirtcr Stahl — umdie weibliche Physiognomie im Fluge zu treffen, nahm ineinem Spiegclchen des Rings der linken Hand, worin er dieElegie vorhielt, nur einige tragische Thauspuren in Lenct-tenS Augen wahr, welche sein Dichten nachgelassen. Nunholte er aus der zweiten Tasche eine Ballade (sie muß längstgedruckt seyn) hervor, worin eine unschuldige Kindmörderinmit einem weinenden Abschied vom Geliebten ihrem Schwertentgegengeht. Die Ballade hatte (sehr unähnlich seinen an-dern poetischen Kindern) wahres poetisches Verdienst, da erzum Glück — wenigstens für das Gedicht — selber einensolchen Geliebten vorstellte und mithin aus dem Herzen zudem Herzen sprechen konnte. Schwer zu malen ist die Rüh-rung und Zerfließung, welche in Lenettenü Angesicht er-schien; ihr ganzes Herz stand weinend in den blinden Augen;sie halt' eö gar nicht gewohnt, so erfaßt zu werden von Wirk-lichkeit und Dichtkunst zugleich. Da warf der Venner dieBallade im Feuer weg und sich an — Lenettenö Hals undsagte: „Mitempfinderin, Edle, Hehre!"
Ich kann das Erstaunen nicht malen, womit sie ihn, dieeinen Uebergang vom Weinen zum Küssen gar nicht begriff,wegdrückte. Jetzo half es nichts — er war in der Rührung— er forderte ein Andenken dieser „hehren bezauberndenMinute," nur einen Flock Kopfhaare von ihr. — Ihr nie-driger Stand und das großgedruckte Beiwort und überhauptihr Unvermögen, nur zu begreifen, was er mit ihrem schwar-zen Pelzwcrk, und wenn sie ihm ganze Troddeln und Bctt-zvpfe davon zuschuitte, machen wolle, alles das setzte ihr den