Druckschrift 
8 (1848) Siebenkäs : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

101

die Frau, sondern ließ sich unabsehlich herab. Schon vonsatirischer Natur hatte SiebcnkäS den Fehler, gegen gemeineLeute zu höflich und vertrant zu seyn, und gegen höhere zuvorlaut. Aus Mangel an Welt wußt' er die rechte krummeLinie gegen die bürgerlichen Klassiker nicht mit dem Rückenzu beschreiben; daher fuhr er lieber gegen die Stimmeseines freundlichen Herzens stangengerade auf. Außerdem Mangel an Welt war sein Advokatenstand Ursache, dessenkriegerische Verfassung eine gewisse Kühnheit einflößt, zumalda ein Advokat stets den Vortheil hat, daß er keinen braucht,daher er's häufig, wenn es nicht Patrimonial-Gerichtherrenoder auch Klienten sind, welchen beiden er mit seinen ge-ringen Gaben zu dienen hat, keck mit den angesehensten Per-sonen aufnimmt. Inzwischen rückte gewöhnlich in Sieben-käs Menschenliebe unvermerkt den beweglichen Steg so unterseinen hochgespannten Saiten herab, daß sie zuletzt blos densanften Liefern leisern Ton angaben. Nur jetzo wurd' ihmgegen den Venner, dessen Zielen auf Lenctte er zu errathengenöthigt war, Höflichkeit viel schwerer als Grobheit.

Er hatte ohnehin einen angeborncn Widerwillen gegengeputzte Männer obwol gegen geputzte Weiber grade dasGegcntheil so daß er oft die Flügclmännchen des Putzesin den Modejournalen lange ansah, bloS um sich recht übersie abzuärgern, und daß er den Kuhschnapplern betheucrte,wie er niemand lieber als einem solchen Männchen Schaber-nack anthäte, einen Schimpf, einen Schaden bis zum Prügelnhinauf. Auch war cS ihm von jeher lieb gewesen, daß So-krates und Kato auf dem Markte barfuß gegangen, wogegenbarhaupt gehen (cli.-ipe.-ni-das) ihm nicht halb so viel war.

Aber eh' er sich anders als mit Gcsichtzügen äußern