„Beste, und ich werde Sie den Augenblick bedienen" — sagteder Perückcnmacher unten an der Thüre und wollte sie ander Hand hinaufgeleiten: aber da sie ihren zweiten Hauben-kopf noch in der Kutsche sitzen sah, nahm sie ihn wie einKind auf den linken Arm (der Haarkräusler wollte den Kopfvergeblich tragen) und stieg ihm wankend in das Männer-zimmer nach. Sie reichte mit einem tiefen Kniebeugen undleisen Grüßen dem Bräutigam bloS die rechte Hand hinund auf dem vollen runden Gesichtchen — alles ründete sichdaran, Stirn, Auge, Mund und Kinn — blühten die Rosenweit über die Lilien hinüber, waren aber desto lieblicher zuschauen unter dem großen schwarzen Seidenhute, und dasschneefarbige Moufselinkleid mit einem vielfarbigen Straußewelscher Blumen und mit den weißen Schuhspitzcn gaben derschüchternen Gestalt Reize über Reize. Sie band sogleich —weil nicht mehr Zeit zum Kopuliren und Frisiren übrig war
— ihren Hut los und legte das Myrtenkränzchen darunter,das sie im Vorwerke der Leute wegen versteckt, auf den Tisch,damit ihr Kopf gehörig wie der Kopf anderer Honoraziorenfür die Trauung zurecht gemacht und gepudert würde durchden schon passenden Miethherrn.
Du liebe Lenette! Eine Braut ist zwar viele Tagelang für jeden, den sie nicht heirathet, ein schlechtes, mageresheil. Schaubrod, und für mich vollends; aber eine Stundenehm' ich aus — nämlich die am Morgen des Hochzeittages
— worin die bisherige Freiin, in ihrem dicken Putze zitternd,mit Blumen und Federn bewachsen, die ihr das Schicksalmit ähnlichen bald ausreißct, und mit ängstlichen andächtigenAugen, die sich am Herzen der Mutter zum letzten- undschönstcnmal ergießen; mich bewegt diese Stunde, sag' ich,
3ean Paul'S auSgew. Werke. VIII. Z