36
uns grüne Knospen, und keimende Blumen? Ist deine Sprachenicht die Sprache des Priesters, durch die Herz und Hand amAltar vereint wird? Und zögerst du auch, uns deine Schätzezu übergeben, werden denn nicht alle Freude» durch die Er-wartung erhöht? Was wäre die Jagd, wenn der Hirsch vorunfern Füßen niederfiele, sobald er aus dem Dickicht aufge-sprungen ist? oder welchen Werth hätte die Liebe der Jung-frau, würde sie ohne schamhafte Zögerung gewährt?"
Der Gesang des Barden wurde hier durch den Eintrittdes Priesters unterbrochen, der in der großen Eile, mit derer den Befehlen seines ungeduldigen Herrn gehorchte, sich nichteinmal Zeit genommen hatte, die Stola abzulegen, die erbei dem Gottesdienste trug; und viele der Aeltesten hielteneS für kein gutes Vorzeichen, daß ein Priester so gekleidet beieinem Festgclage und unter profanen Sängern erschien.
Der Priester öffnete den Brief des normännischen Barons,und über seinen Inhalt höchst erstaunt, blickte er schweigendauf.
„Leset!" rief der ungestüme Gwenwyn aus.
„Mit Eurer Erlaubniß," erwiederte der Kaplan, „ein en-gerer Kreis würde sich besser hiezu eignen."
„Leset ihn laut!" wiederholte der Fürst mit verstärktemTone; „es sitzt kein Mann hier, der nicht die Ehre seinesFürsten achtete, oder sein Zutrauen verdiente. Leset ihn laut,sage ich! und beim heiligen David, wenn Rapmond der Nor-inann cS gewagt hätte —"
Er brach hier plötzlich ab, und sich auf seinen Sitz zurück-lehnend nahm er eine aufmerksame Miene an; allein leichtkonnten sich seine Anhänger die Lücke ausfüllen, die er in sei-ner Ausrufung gelassen hatte.