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Der junge Man», als Lehrer, begann mit klarer Stimme kühl undruhig die Beurtheilung des bereits auf der Leinwand Vorhandenen, undthat dieses Geschäft lobender und kürzer, als sonst; dann gab er denPlan für das, was »un dem Bilde zunächst Noth thuc; er nannte dieerforderlichen Tone und die Farben, aus denen sie zu mischen seien.
Sie nahm und mischte.
„ Gut" sagte er. Die Töne wurden nun in einem Bogen auf derPalette neben einander ausgestellt — das Malen begann und das Zim-mer war todtenstill; nur, wie eine Grotte durch fallende Tropfen, soward es durch die gelegentlichen Worte unterbrochen : „ gut — wärmer— tiefer —". Nach und nach tönte auch dieß nicht mehr; mit dem lan-gen Stiele des Pinsels zeigte er, was zu verbinden war, was zu tren-nen ; oder er setzte plötzlich ein Lichtchen oder einen Drucker hin, wo csNoth that und sie es nicht wagte.
Was er gewollt, hatte er erreicht; aber wer ihn nun gesehen hätte,wie er sein schönes Antlitz hinter ihren« Rücken einsam emporhob, derhätte den leisen heißen Schmerz bemerkt, der in demselben schwamm —aber sie sah sich nicht um, und sonst waren rings nur die blinden Wände.
Wie so oft der Geist des Zwiespalts zwischen Menschen tritt, an-fangs als ein so kleines, wesenloses Ding, daß sie es nicht sehe», odernicht Werth halten cs mit einem Hauch des Mundes, mit einer Falte desGewandes wcgzufegcn — wie cs dann heimlich wächst, und endlich alsunangreifbarer Riese wolkig, dunkel zwischen ihnen steht: so war csauch hier. Einstens, ja in einem schönen Traume war es ihm gewesen,als zittre auch in ihr der Anfang jenes heißen Wesens, das so dunkelüber seiner Seele lag, einstens in einem schönen Traume; aber dann warihr Stolz wieder da, ihr Freiheitsstreben, ihr Wagen — alles, alles soganz anders, als ihm sein schüchtern wachsendes, schwellendes Herz sagte,daß cs sein solle — so ganz anders, ganz anders, daß er plötzlich knir-schend Alles hinter sich geworfen, und nun dastand, wie Einer, der ver-achtet — und wie sie immer fortmalte und auch nicht eine Seitenbcwc-gung ihres Hauptes machte, und auch nicht e i n Wort sagte: da preßteer die Zähne seines Mundes auf einander und dachte, er hasse diesesWeib recht inbrünstiglich! — Und wie Stunde um Stunde des Vormit-tags floß, — wie er ihren Athem hörte, und wie doch keine Sekundeetwas Anderes brachte, als immer dasselbe Bild : — da wurde es schwül