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Krankheit in ihrem Wesen zittere — sein Herz lag gebannt in der Ver-gangenheit, sein Auge war gedrückt nnd trotzend.
Einen Moment war Stille.
„Wir haben uns lange nicht gesehen," sagte sie weich; „ich warauch ein wenig krank."
Er sagte auf ihre Anrede nichts, sondern verbeugte sich nur.
„Sic waren immer wohl?" fragte sie.
„Ich war wohl," antwortete er.
Ein großer, verwundernder Blick flog auf ihn — aber sie sagtenichts, sondern ging gegen die Camcklien, wo eine Staffelei stand, rücktedort etwas, dem kein Rücken Nvth that; stellte etwas zurechtc, dasohnedies recht stand; sah in die grünen Pflanzenblätter, als suche sicetwas — und kam dann wieder zurück. Er stand indessen auf demselbenFlecke, wie Einer, der Befehle erwartet den Hut in der Hand, und seinenOrt nicht um die Breite eines Haares verrückend.
Die Dame athmete und fragte dann endlich sich zwingend nochsanfter: „ Dachten Sie wohl auch die Zeit her an uns?"
„Ich dachte oft," sagte er mit unbefangener Stimme, „an Sicund an unsere Studien. Jetzt werden wohl die Farben auf dem Bildegar zu sehr verdorrt sein."
Nun aber ward sie purpurroth und stieß heiß heraus: „Malenwir."
Das Roth des Antlitzes war im raschen Umwcnden ihrer Gestaltnur hinter den Schläfen sichtbar geworden, und den tiefen Unmuthsblitzdes Auges hatte nur der Spiegel aufgefangen. Es war ganz deutlich,und schon ihr Anzug hatte cs gezeigt, daß sie nicht hatte malen wollen:aber wie er nun den Hut abgelegt, an die Staffelei getreten, dort einFach geöffnet, Malergeräthe herausgcnommen und stehend die Farbenauf die Palette gestellt — und wie sie allem dem mit großem schweigen-dem Auge zugcsehen hatte — und wie er ihr die Palette artig reichte:so drückte sie rasch den einen Aermci ihres Atlasgewandes zusammen,empfing die Palette und setzte sich mit unsäglichem Stolze nieder.
Er stand hinter ihr, auf dem Antlitze nicht einen Hauch von Erre-gung zeigend.
Das Malen begann. Die ältliche Frau, die Amme der jungenDame, ging zeitweise ab und zu.