Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322

Fleischer, der eine Flinte auf ihn halten mußte. Drüben(sagt' er; denn erging ein wenig mit mir aus Marktleuthenheraus) sitzt ein Schafjungc auf seinem Grabe, der pfeift;gleich daneben haben sie ihn nun erschossen. Als wir denAbend vorher ihn bedauerten, sagt' er:es gehör' ihm nichtsbcssers als eine Kugel vor den Kopf, aber er hätte doch,schwur er, für tausend Gulden nicht länger beim Rcgimentebleiben können."" Ich wollte, ich wäre dazu gekommen;ich hätte dem armen Teufel durch die hcreinhängende stin-kende Pestwolke aus der letzten Lebensstrecke statt des elendenLausewenzels, oder statt des noch elenden: hier gedruckten Weih-rauchs ächten Knaster hineingelangt, ob ich gleich nicht rauche.Aber den andern Tag hätt' ich nicht abwarten und es etwanvon meiner Anhöhe herunter ansehen mögen, wie der armeKerl, in seinem blinkenden Kreise so allein, seine Kleider fürseine Wäscherin auszog, eine Viertelstunde vor der Ewigkeit wie man ihm die weiße Binde um die Augen legte, dienun die ganze grüne Erde und den leuchtenden Himmel gleich-sam in sein tief auögehöhlteö Grab vor ihm vorauswarf undalles mit einer festen Nacht wie mit einem Grabstein zu-deckte. Und wenn sie nun vollends über sein tobendes, vonquälendem Blute steigendes Herz das papicrne kalte gehangenhätten, um das warme gewisser hinter diesem zu durchlöchern:so wäre ja jeder weiche Mensch wankend den Hügel auf derandern Seite hinuntcrgegangen, um den Umsturz des Zer-rissenen nicht zu erblicken, und hätte sich die Ohren verstopft,um den fallenden Donnerschlag nicht zu hören. Aber diePhantasie würde mir dann den Armen desto düsterer gezeigthaben, wie er da knicet in seiner weiten Nacht, abgerissenvon den Lebendigen, entfernt von den Tvdten, von niemand