der Zustand voll Schmerzen zu unserem eigenen artet: welchehöhere Uneigcnnützigkeit denn nur denkbar sei? Ich kennenur die eine denkbare, daß man das sremde Ich noch hei-ßer wie seines versorge, daß man seines vergesse, verschmähe,verstoße. — Aber dann wäre sa im eigentlichen Sinne dasfremde Selbst in meines verkehrt — der Trieb wäre nurverpflanzet, nicht veredelt — und ich hätte blos die Jchö ge-tauscht. Denn eben darin beruhet der Nicht-Eigennutz, daßmeine Natur trotz ihrer Selbstständigkeit in den Zustandeiner fremden eingeht, und daß ein Ich mehren JchS nach-fühlt. Wie gesagt, wär'ü möglich, eine sremde Glückselig-keit durchaus ohne Wunsch einer eigenen zu begehren undein fremdes Ich mit etwas anderm zu lieben als mit demeignen — eine Unmöglichkeit selber bei Gott — so wärenichts erbeutet, denn ich besäße sa nun den fremden Trieb,und mein Eigennutz wäre bloS in ein fremdes Ich gezo-gen aus meinem. . . .
Da ich diesen Aufsatz zweimal umgeschriebcn, so Hab'ich zweimal jenes stärkende Vergnügen gekostet, das uns er-frischet, wenn der Kopf die Wünsche des Herzens vidimiretund affckuriret. Indessen war ich doch nie so unglücklich,daß ich jemals — selber in den früher» Jahren, wo diejunge Seele die Seelenwanderung durch die Philosophenwie durch Thiere anstellt und bald in jenen Kopf, bald indiesen fährt — in den Körper des Helvetius gefahren wäreund mit ihm mich im schmutzigen Glauben an einen allge-meinen Eigennutz aller Menschen — und zuletzt der ganzenSchöpfung, weil die Beweise dieselben sind — gewälzet hätte.