286
verdienen kann; und so würde die Selbstliebe nur immerblos Eigenschaften, nie daS Wesen selber, weil ste ja vondiesem selber etwas einnimmt, umfassen können. Ich besorge,dieses scheint spitzfindiger, als cs ist. Aber in den trübenAbgrund der Selbstliebe müssen mehre Kantische Sonnenfallen, um ihn licht zu machen.
Die Liebe, womit unö der gute Andere umfängt, istso etwas Mystisches, daß wir unö gar nicht in seine Seeledenken mögen, weil wir seinen guten Begriff von unseremIch nicht theilen können — wir begreifen (trotz dem Bewußt-sevn unserö Werthcö) nicht, wie man uns lieben könne; aberwir finden uns darein, wenn wir bedenken, daß der andereseiner SeitS eben so wenig unsere Liebe gegen ihn müssefassen können.-
Man erlaube mir, noch eine clansala salutaris oderein zierliches Kodizill zu machen; um so mehr da niemandSchuld ist als Platner. Dieser behauptet, die Empfindungsei eigennützig, weil sie als diese nur unfern eignen Zu-stand darstelle; und nichts sei uneigennützig als unsere Ver-nunft. Aber erstlich muß der Begriff von Uneigennützigkeit,wenn er kein ausgehöhltes Vexir-Wort sein soll, ja blosder Abdruck irgend eines uneigennützigen Zustandes in unsseyn. Zweitens setzet das Gefühl des Eigennutzes das seinesGegentheils voraus. Wie der Blinde nicht nur kein Licht,sondern auch kein Dunkel kennt: so wüßten wir ohne Un-cigennutz nichts von Eigennutz, ohne Freiheit nichts vonSklaverei, so wie vielleicht eine Menge Dinge aus Mangelihres Wechsels mit dem Gegentheil für uns aus dieser Weltim Dunklen bleiben. Drittens frag' ich, wenn z. B. dasMitleid blos darum eigennützig heißen soll, weil ein frem-