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2) Es kann keine Selbstliebe geben so wie keinen Selbst-haß. Ich müßte zweimal da sevn, damit daS liebende Ichnicht ins geliebte zerflösse. Da Liebe nur gegen Liebe ent-brennt, so müßte die Selbstliebe sich lieben, eh' sie sich liebte,und die Wirkung brächte die Ursache hervor, welches so vielwäre, als sähe das Auge sein Sehen. — Freilich steht inunscrm Kopse ein Zwillingbrudcr unsers JchS, d. h. einBild von diesem Ich; und diesen Schieferabdruck unserS JchSlieben wir freilich: aber das ist so wenig Selbstliebe, als cseine wäre, wenn wir eine fremde uns bis auf alle Punkte undStriche nachgestochcne Person lieb hätten. Nur Eigenschaftenwerden geliebt, allein Substanzen lieben. Aber unsere so-genannte Selbstliebe wüchset ja nicht mit unfern Vorzügen
— höchstens mit unfern Fehlern — und sie ist eben so warm,wenn wir uns selber verachten — denn sonst würden wiruns im Sünden-Sumpfe lassen — als wenn wir einenTheil unserer eignen Natur verehren müssen.
Es ist noch mehr meiner Neigung gemäß, den obigenSatz umgekehrt auszudrücken und zu sagen: nur Substanzenwerden geliebt. Die nackte federlose lustige Eigenschaft istan und für sich kein wärmerer Gegenstand meiner Liebe, alsdaS ihr zusagende Wort im Bvkabelnsaal oder Kompendium.
— Jede Eigenschaft muß an einem Ich — daS wieder füruns, obwol unbegreiflich, etwas besseres ist, als eine andereEigenschaft — glänzen, um geliebt zu werden. Dieses le-bendige Ich, diese Bedingung aller geistigen Eigenschaften,lieben wir allein in diesen. Nach dieser Definizion ist Selbst-liebe noch unmöglicher, d. h. Liebe vom Ich gegen das Ich.Unsere Selbstverachtung kann sich nicht auf unser ganzesWesen richten, weil der Theil, worin sie ist, doch keine