wirken. Durchaus nur mit und durch Phantasie: das wasdie Gebilde der Malerei und Plastik von andern Körpernabsondert, muß ein besonderes Verhältniß zu unserer Phan-tasie seyn. Dieses Verhältniß kann nicht aus die bloße kahleVergleichung hinauslaufcn, die wir zwischen dem Ur- undAbbilde «»stellen, und aus der wir nur das matte Vergnügenbesiegter Schwierigkeiten schöpfen könnten. Sulzer sagt:ein Gemälde gcfället uns, aber nicht das treuere Bild imSpiegel; eine Statue entzückt unS, aber nicht die treuereWachsfigur: denn die Aehnlichkcit muß ihre Gränzen haben.Ich frage aber, warum? Weswegen soll die vollendete Aehn-lichkeit (die Gleichheit) weniger vermögen als die unvollen-dete? Es ist in diesem Sinne nicht einmal wahr, und einPorträt, dem zum Spiegelbilde nichts abginge als die Be-weglichkeit, würde uns um so mehr bezaubern.
Aber in einem andern Sinne ist allerdings eine Unähn-lichkeit vonnöthen: diejenige, die in die Materie die Panto-mime eines Geistes cindrückt, kurz das Jdealische. Wir stellenuns am Christuskopfe nicht den gemalten, sondern den ge-dachten vor, der vor der Seele des Künstlers ruhte, kurz dieSeele des Künstlers, eine Qualität, eine Kraft, etwas Un-endliches. Wie die Schauspieler nur die Lettern, nur dietrocknen Tuschen sind, womit der Theaterdichter seine Idealeauf das Theater malet — daher wird jedes Trauerspiel mitgrößerem Vortheil seines Jdealischen im Kopfe als auf demSchauplatz aufgeführet: — so sind die Farben und Liniennur die Lettern des Malers. Die typographische Pracht die-ser Lettern vermenge man nicht mit dem erhabenen Sinn,dessen unwillkürliche Zeichen sie sind.
Ich sagte unwillkürliche. Unsere Seele schreibt mit