Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

255

wo wir im wirbelnden bunten Rauche um uns schwindelnund dann im Schwindel unsere Umkreisungen sür fremdenehmen; dann sind wir gesättigt und voll, ach! fast vor Er-müdung.

Im Rausche dringen die Wolken der innen brennendenRäucherkerzen hinaus und legen sich außen an den Gegen-ständen an und geben ihnen eine vergrößerte abgeründete zit-ternde Gestalt.

In der Liebe ist das Amalgam« der Gegenwart mitder Phantasie noch inniger. Schaue die Gestalt an, die dueinmal geliebt hattest, und die nun mit allen ihren Reizennicht einmal den idealischen Zauber einer Bildsäule für dichhat! Warum sonst ist sie setzt ein lackirtcr Blumenstab fürdich, als bloö weil alle Rosen, die deine Phantasie an diesemStabe hinaufgezogen, nun auSgerifsen sind? Ich wünschte,der Leser liebte eine Schwester, die besondere Familienähn-lichkeit mit ihrem Bruder hätte, den er nicht leiden könnte:er würde dann am leichtesten das geliebte Gesicht von demBrautschmuck, womit seine Phantasie als Folienschlägerin eSblasonnirt und übergoldet, trennen können. Kurz eine ge-liebte Person hat den Nimbus einer abwesenden einer ge-storbenen einer dramatischen.

Noch mehr. Leute, deren Kopf voll poetischer Krea-turen ist, finden auch außerhalb desselben keine geringer«.Dem ächten Dichter ist daS ganze Leben dramatisch, alleNachbarn sind ihm Charaktere, alle fremde Schmerzen sindihm süße der Illusion, alles erscheint ihm beweglich, erhoben,arkadisch, fliehend und froh, und er kommt nie dahinter, wiebürgerlich-eng einem armen Archiv-Sekretär mit sechs Kin-dern gesetzt er wäre das selber zu Muthe ist. Denn