232
Engels auf — und am nächsten war'S ein Engel mit ge-schlossenen schneeweißen Augcnliedern. . . .
Das wie eine Harmonikaglocke zitternde Herz meinesFreundes zerstoß selig in die weite Brnst — und als derEngel die himmlischen Augen aufschlug: so wurden seinevon der schweren Himmelwonne zugedrückt und sein Traumzerrann.-
Ater sein Leben nicht: er öffnete die heißen Augen, und— sein gutes Weib hatte seine sieberhafte Hand und standam Platze des Engels.
Das Fieber setzte am Morgen ab; aber der Glaube ansSterben pulsirte im ganzen Geäder des Armen. Er ließsich sein schönes Kind in daö Krankenbette reichen und drücktecs schweigend, ob es gleich zu schreien anfing, zu hart anseine väterlich beklommene Brust. Dann gegen Mittag wurdeseine Seele ganz kühl, und das schwüle Gewölk zog in ihrzurück. — Und hier erzählt' er uns eben die bisherigen(gleichsam arsenikalischen) Phantasien seines sonst beruhigtenKopses. Aber eben die straffen Nerven, die sich nicht sowie die eines Dichters unter den Griffen und Riffen einerpoetischen den Schmerz abspielendcn Hand gezogen haben,springen und reißen unter der gewaltsamen Faust des Schicksalsleichter, die den Mißton heftig in die angespannten Saiten greift.
Aber gegen Abend rannten seine Ideen wieder in einemFackeltanz wie Feuersäulen um seine Seele: jede Ader wurdeeine Zündruthe, und daö Herz trieb brennende Naphtaquellenin daö Gehirn. Jetzt wurde alles in seiner Seele blutig:das Blut seines ertrunknen Bruders floß mit dem Blute,das aus Thiennettcns Adcrlaßwunde längst gedrungen war,in Einen Blutregen zusammen, — ihm kam immer vor, er