231
Ligen Gedanken und eS träumte ihn: er sehe aus seinemFenster in den Gottesacker, und der Tod krieche klein wieein Skorpion darauf herum und suche sich seine Glieder.Darauf fand der Tod Armröhrcn und Schienbeine auf denGräbern und sagte: „es sind meine Gebeine!" und er nahmein Rückgrat und die Knochen und stand damit, und die zweiArmröhren und griff damit, und fand am Grabe des Vatersvon Fixlein einen Todtcnschädel und setzte ihn auf. — Als-dann hob er eine Grassichel neben dem Blumcngärtchen aufund rief: „Firlein, wo bist du? Mein Finger ist ein Eis-zapfen und kein Finger, und ich will damit an dein Herztippen." — Jetzt suchte daö zusammengestoppelte Gerippeden, der am Fenster stand und nicht weg konnte, und trugstatt der Sanduhr die ewig ausschlagcnde Thurmuhr in derandern Hand und hielt den Finger aus Eis weit in die Luftwie einen Dolch. ...
Da sah er den Sohn oben am Fenster und richtete sichso hoch bis an den Wetterbaum auf, um ihm den Fingergerade in die Brust zu stoßen — und schritt wider ihn. Aberso wie er weiter schritt, wurden seine gebleichten Knochenröther, und Düfte stoffen wolligt um seine stechende Gestalt.— Blumen schlugen schnellend auf und er blieb, verklärt undohne Knvchenerde, über ihnen schweben, und der Balsamathcmaus den Blumenkelchen hauchte ihn wiegend weiter — undals er näher kam, war Uhr und Sichel weggeflossen, und erhatte im Brust-Gerippe ein Herz und auf dem Knochen-schädel einen rothcn Mund — und noch näher sing ein wei-chendes, durchsichtiges, in Rosenduft getauchtes Fleisch gleich-sam den Wiederschcin eines hinter dem Sternenblau fliegenden