Bergen die Nacht vor dem Herzen und machte cs groß.Uebcr dem weißen Thurm-Obeliökus ruhte der Himmelblauer und dunkler, und hinter ihm flatterte der abge-dorrtc Gipfel des niedriger» Maienbaumö mit entfärbterFahne. Da erblickte der Sohn das Grab seines Vaters,auf dem der Wind die kleine Thüre des metallenen Kreuzesknarrend auf- und zuschlug, um das auf Messing eingeätztc
Jahr seines Todes lesen zu lassen.-Eine heiße Weh-
muth ergriff mit heftigen Thränenströmen sein losgcriffenesHerz und trieb ihn an den verfallenen Hügel, und er führteseine Braut an das Grab und sagte: „Hier schläft er, meinguter Vater! — schon im zwei und dreißigsten Jahre ginger hier ein zur ewigen Ruhe. — O du guter, theurer Va-ter, könntest du doch heute die Freude deines Sohnes sehen,wie meine Mutter! — Ach du bester Vater, deine Augen-höhle ist leer und deine Brust voll Asche, und du siehst unsnicht." — Er verstummte. — Die bedrängte Braut weintelaut, sie sah die morschen Särge ihrer Eltern aufgehen unddie zwei Todten sich aufrichten und sich umschauen nachihrer Tochter, die so lange von ihnen verlassen ans derErde blieb. — Sie stürzte an sein Herz und stammelte:„O Theurer, ich habe weder Vater noch Mutter, verlaßmich niemals."
O du, der du noch einen Vater oder eine Mutter hast,danke Gott an dem Tage dafür, wo deine Seele voll Freu-denthränen ist und einer Brust bedarf, an der sie sie ver-gießen kann. . . .
Und mit dieser edeln Umarmung am Grabe eines Va-ters schließe sich heilig dieser Freudentag! —