kroskop zusammen, das alles vergrößerte und alle Leiden zuReize» machte. Gutes Geschlecht! auch ich halte jede Un-glückliche für schön, und vielleicht bist du schon darum denNamen des schönen Werth, weil du das leidende List!
Und wenn der Professor HunczogSky in Wien dieWunden aller Glieder in Wachs nachbildcte, um seinenSchülern ihre Heilung zu lehren: so stell' ich, du gutes Ge-schlecht, die Risse und Narben deiner Seele in kleinen Bil-dern dar, wiewol nur um rohe Hände abzuwehren, damitsie dir keine neuen machen.-
Thiennette empfand nicht den Verlust der Erbschaft,sondern der Erblasserin so tief — und das eines Zuges we-gen, den sie schon seiner Mutter so erzählet hatte, wie setztihm. Wenn ste nämlich in den zwei letzten Krankennächtender Rittmeisterin, in denen ihr das fieberhafte Wachen nichtszeigte als die Nachtleiche und die Trauerkutschen ihrer Gön-nerin, am Fuße des Bettes den starren Augen gegenübersaß: so glitten ihr oft, aber ohne eö zu merke», schnelleTropfen über die Wangen, weil sie in Gedanken sich dasschwere unbehülfliche Ankleiden der Wohlthäterin für denSarg vormalte. Einmal nach Mitternacht wies die Krankemit dem Zeigefinger auf ihre eignen Lippen. — Thiennetteverstand sie nicht — stand auf und bog sich über ihr Ange-sicht. — Die Schwache wollt' eö cntgegenheben und ver-mocht' es nicht — und ründete bloö die Lippen. — Endlichdurchfuhr Thienuetten die Muthmaßung, daß sie die Ge-lähmte, deren erstorbene Arme kein geliebtes Herz mehr anihres ziehen konnten, selber umarmen sollte. — O da drücktesie plötzlich heiß und thränend ihren heißen Mund an denkältern — und sie schwieg auch wie die Sprachlose — und