Druckschrift 
7 (1847) Leben des Quintus Fixlein
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92

Mutter wies ihr jeden Nothpfennig, den der Sohn in ihregroße leere Geldtasche fallen ließ, und setzte ihn in Gunstbeim Fräulein: denn Weiber neigen einem Sohn, der seinerMutter zärtlich einige ihrer Wohlthaten zurückzahlt, mehrund wärmer ihre Seele zu, als wir einer den Vater ver-sorgenden Tochter, vielleicht aus hundert Gründen und auchauö dem, weil sie von Söhnen und Männern mehr gewohntsind, daß diese blos fünf Fuß lange Donnerwetter, behosteWasserhosen oder doch ausruhende Orkane sind.

Seliger Quintuö! an dessen Leben noch der Vorzug wieein Adlcrorden schimmert, daß du es deiner Mutter erzählenkannst, wie z. B. den heutigen Nachmittag im Seniorat.Deine Freude stießet in ein fremdes Herz und strömetdaraus verdoppelt in deines zurück. Es gibt eine größereNähe der Herzen so wie des Schalles als die des Echos,die höchste Nähe schmilzt Ton und Echo in die Resonanzzusammen.

Es ist historisch-gewiß, daß beide Abends aßen undstatt des Abhubs vom Diner, der morgen selber eines vor-stellen konnte, blos den Opferkuchen oder Matzen auf denBrand-Opferaltar des Tisches legten. Die Mutter, die fürihr leibliches Kind nicht blos sich, sondern auch die übrigenMenschen willig hingegeben hätte, that ihm den Vorschlag,dem Quintaner, der draußen spielte und einen Vogel stattsich aufätzte, keine Krume vom kostbaren Backwerk zu geben,sondern nur HauSbrod ohne Rinde. Aber der Schulmanndachte christlich und sagte, es sei Sonntag und der jungeMensch esse so gern etwas Delikates wie er. Firlein gastirte,dotirte und schonte als Gegenfüßler der Großen undGenies lieber den dienenden Hausgenossen als einen Men-